Luft-Wasser-Wärmepumpe im Wiener Altbau: Schallschutz (MA 22) & Vorlauftemperaturen

Luft-Wasser-Wärmepumpe im Wiener Altbau: Schallschutz (MA 22) & Vorlauftemperaturen
Kurze Antwort: Eine Wärmepumpe lohnt sich im Wiener Altbau dann, wenn der Heizkörper mit 55 Grad Vorlauftemperatur alle Räume auf 20 Grad schafft. Das funktioniert in vielen Gründerzeithäusern bereits mit den vorhandenen Radiatoren und ist durch Bundesförderung deutlich günstiger geworden.
Inhaltsverzeichnis

1. Was das Erneuerbare-Wärme-Gesetz für Altbauten bedeutet

Das österreichische Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) sieht vor, dass ab 2040 keine neuen Gasheizungen mehr eingebaut werden dürfen. Wer eine Gasheizung betreibt, darf sie weiter nutzen, bis sie kaputt geht. Beim Tausch muss es dann ein erneuerbares System sein.

Für Altbauten bedeutet das konkret: Wer jetzt freiwillig auf Wärmepumpe umsteigt, bekommt hohe Förderungen. Wer wartet bis die Therme ausfällt, hat möglicherweise weniger Zeit für die Planung und trifft die Entscheidung unter Druck.

In Wien kommen dazu die Vorgaben der MA 25 (Wohnbauförderung) und die Schallschutzanforderungen der MA 22. Wer eine Luftwärmepumpe auf einem Wiener Stadthaus montiert, braucht eine Baugenehmigung von der MA 37.

2. Der Mythos Fußbodenheizung: Stimmt das wirklich?

Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen, weil dann der Unterschied zwischen Wärmequelle (Außenluft, ca. 0 bis 10 Grad) und Wärmeabgabe (Heizfläche) klein ist. Fußbodenheizungen arbeiten mit 30 bis 35 Grad Vorlauftemperatur, Radiatoren mit 60 bis 75 Grad.

Deshalb heißt es oft: Wärmepumpe geht nur mit Fußbodenheizung. Das stimmt aber nur für Standard-Wärmepumpen. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen (z.B. von Vaillant aroTherm plus oder Viessmann Vitocal 300-A) erreichen 65 bis 70 Grad Vorlauftemperatur. Damit sind sie auch mit normalen Radiatoren kompatibel.

Der Preis dafür: Bei hohen Vorlauftemperaturen sinkt die Effizienz (der COP-Wert, also das Verhältnis von Heizleistung zu Stromverbrauch). Eine Wärmepumpe mit 35 Grad Vorlauf hat COP 4 bis 5. Mit 65 Grad Vorlauf hat sie COP 2,5 bis 3. Das bedeutet: Sie verbraucht mehr Strom, ist aber immer noch deutlich effizienter als eine Gastherme.

3. Der praktische Eignungstest für Ihr Haus

Bevor Sie einen Installateur beauftragen, können Sie selbst prüfen, ob Ihr Haus für eine Wärmepumpe geeignet ist. Der Test dauert einen Tag.

  1. Wählen Sie einen kalten Tag im Winter, möglichst unter 0 Grad Außentemperatur.
  2. Stellen Sie an der Gastherme die maximale Vorlauftemperatur auf 55 Grad ein.
  3. Öffnen Sie alle Thermostatventile an allen Heizkörpern vollständig.
  4. Warten Sie 24 Stunden.
  5. Messen Sie die Raumtemperatur in jedem Zimmer.

Ergebnis: Wenn alle Räume 20 bis 22 Grad erreichen, funktioniert Ihr Haus mit einer Wärmepumpe, die 55 Grad Vorlauf liefert. Wenn einzelne Räume kalt bleiben, gibt es zwei Lösungen: entweder diese Heizkörper gegen größere tauschen, oder das Hybridsystem wählen.

4. Welche Wärmepumpentypen gibt es für Wien?

TypWärmequelleEignung WienInvestition (ca.)
Luft-Wasser-WärmepumpeAußenluftGut, aber Schallschutz prüfen12.000 bis 20.000 Euro
Sole-Wasser (Erdkollektor)Erdreich (Fläche)Nur bei Eigengrund, selten in Wien18.000 bis 28.000 Euro
Sole-Wasser (Erdsonde)Erdreich (tief)Bohrung braucht MA 45-Genehmigung22.000 bis 35.000 Euro
Wasser-Wasser (Grundwasser)GrundwasserMöglich in Wien, MA 45 prüft Qualität20.000 bis 30.000 Euro

Für die meisten Wiener Einfamilienhäuser und größeren Mietshäuser kommt die Luft-Wasser-Wärmepumpe in Frage. Sie braucht kein Grundstück für Erdkollektoren und keine aufwendige Bohrung. Das Außengerät kommt auf das Dach, in den Garten oder an die Fassade.

5. Schallschutz in Wien: Was die MA 22 fordert

Wärmepumpen-Außengeräte erzeugen Geräusche durch den Ventilator und den Verdichter. In Wien gilt für Wohngebiete ein Nachtgrenzwert von 35 bis 45 dB(A) je nach Gebietskategorie. Das ist ungefähr so laut wie ein ruhiges Gespräch.

Moderne Außengeräte haben Schallleistungspegel von 45 bis 60 dB(A). Je nach Abstand zum Nachbargebäude kann das den Grenzwert überschreiten. Die MA 22 prüft das bei der Baugenehmigung.

Lösungsansätze: Schallgedämmte Geräte wählen, das Gerät hinter einer Mauer oder in einem schallschluckenden Einhausung platzieren, Vibrationsdämpfer unter die Aufstellung. Unser Betrieb plant das schon bei der Angebotslegung mit.

Praxis-Tipp von Sebastian Winter: Lassen Sie sich vom Hersteller ein schalltechnisches Gutachten mitgeben. Vaillant und Viessmann erstellen das für ihre Geräte auf Anfrage. Das beschleunigt die Genehmigung durch die MA 37 erheblich.

6. Förderungen 2026: Welche Zuschüsse gibt es?

FörderungBetrag (ca.)Bedingung
Bundesförderung Klimafonds (Raus aus Fossilem)bis 14.000 EuroAustausch Gasheizung, Einkommensgrenze
Wiener Wohnbauförderung MA 50bis 5.000 EuroEigentumswohnung oder Eigenheim, Baujahr vor 2000
Steuerliche Absetzbarkeit (Sonderausgabe)bis 800 Euro/JahrFür bestimmte Energiesparmaßnahmen

Förderungen müssen immer vor Beginn der Maßnahme beantragt werden. Wer zuerst montiert und dann Förderung beantragt, bekommt meistens nichts. Unser Betrieb unterstützt Sie bei der Antragsstellung.

Mehr zu Förderungen im Bereich erneuerbare Wärme lesen Sie im Artikel Was ändert sich durch das EWG für Gasthermen in Wien 2026?

7. Hybridlösung: Gas bleibt an den kältesten Tagen

Wenn die Wärmepumpe allein nicht ausreicht oder die Investition zu hoch ist, gibt es die Hybridlösung. Die bestehende Gastherme bleibt. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wird zusätzlich installiert. Die Steuerung entscheidet automatisch, welches System gerade günstiger ist.

In der Praxis: Die Wärmepumpe läuft von Oktober bis April, solange die Außentemperatur über minus 5 Grad ist. Das sind 85 bis 90 Prozent des Jahres. Nur an den kältesten Tagen im Jänner und Februar schaltet die Gastherme zu. Der Gasverbrauch sinkt um 60 bis 80 Prozent.

Der Vorteil gegenüber einem Vollwechsel: Die Investition ist kleiner (7.000 bis 12.000 Euro für das Hybridsystem vs. 15.000 bis 25.000 Euro für einen vollständigen Wechsel), und das Risiko ist geringer, weil die Gastherme als Backup bleibt.

8. Häufige Fragen

Kann ich eine Wärmepumpe in einer Eigentumswohnung installieren?
Das ist schwieriger als im Eigenheim. Das Außengerät auf dem Balkon oder am Dach braucht die Zustimmung der Hausverwaltung und der Wohnungseigentümergemeinschaft. Zentralheizungsumstellungen im gesamten Haus brauchen meistens Mehrheitsbeschluss. Einzellösungen (z.B. Split-Klimaanlage mit Heizfunktion) sind einfacher, aber weniger effizient.
Was kostet mich eine Wärmepumpe pro Jahr an Strom?
Ein Einfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche in Wien braucht ca. 15.000 kWh Heizenergie pro Jahr. Eine Wärmepumpe mit COP 3 benötigt dafür 5.000 kWh Strom. Bei einem Strompreis von 25 Cent wären das 1.250 Euro. Im Vergleich: Dieselbe Wärme mit Gas bei 12 Cent/kWh kostet 1.800 Euro. Die Wärmepumpe ist schon heute günstiger zu betreiben.
Funktioniert die Wärmepumpe auch bei minus 15 Grad?
Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten bis minus 25 Grad Außentemperatur. Der Wirkungsgrad sinkt bei sehr tiefen Temperaturen, aber sie heizen weiterhin. In Wien, wo tiefste Temperaturen selten unter minus 10 bis minus 12 Grad fallen, ist das kein Problem.
Muss ich den Strom aus Photovoltaik beziehen, damit es sinnvoll ist?
Nein. Auch mit Netzstrom ist eine Wärmepumpe effizienter und CO2-ärmer als eine Gasheizung, weil der Anteil erneuerbarer Energien im Netz in Österreich bereits über 80 Prozent liegt. PV-Strom macht die Rechnung noch besser, ist aber keine Voraussetzung.
Wie lange dauert eine Wärmepumpen-Installation?
Ein vollständiger Tausch einer Gasheizung gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe dauert 3 bis 5 Werktage. Die Planung, Genehmigung und Förderungsbeantragung im Vorfeld dauert 4 bis 8 Wochen. Planen Sie den Einbau im Frühjahr oder Herbst, nicht mitten im Winter.
Sebastian Winter Gas- und Sanitärtechnikermeister

Über den Autor: Sebastian Winter

Konzessionierter Gas- & Sanitärtechnikermeister • Allkommerz GmbH

Sebastian Winter führt den traditionsreichen Wiener Meisterbetrieb in der Hetzendorfer Straße 77–79a. Mit über 15 Jahren praktischer Baustellenerfahrung im Wiener Alt- und Neubau berät er Kunden fundiert zu Badsanierungen, Heizungsmodernisierungen, Gasprüfungen nach ÖVGW und barrierefreien Förderprojekten der Stadt Wien.

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