Zerstörungsfreie Gasrohr-Innensanierung mit Prodoral: Dichtheit ohne Wandaufstemmen

Zerstörungsfreie Gasrohr-Innensanierung mit Prodoral: Dichtheit ohne Wandaufstemmen
Kurze Antwort: Beim Prodoral-Flutverfahren wird ein flüssiges Dichtmittel unter Druck in die vorhandenen Gasleitungen gepumpt. Es dichtet undichte Gewinde von innen ab, ohne die Wände aufzustemmen. Die Sanierung dauert einen Tag und kostet 1.800 bis 2.900 Euro für eine 3-Zimmer-Wohnung.
Inhaltsverzeichnis

1. Warum undichte Gasleitungen im Wiener Altbau häufig sind

In Wiener Gebäuden aus der Gründerzeit und der Zwischenkriegszeit wurden Gasleitungen aus Stahlrohr gebaut. Die Verbindungen an den Gewindemuffen wurden mit Hanf und Bleimennige abgedichtet. Das war über Jahrzehnte Standard.

Das Problem: Der Hanf benötigt Feuchtigkeit, um elastisch und dicht zu bleiben. Das alte Wiener Stadtgas war ein feuchtes Gas und hielt den Hanf feucht. Als Wien in den 1970er Jahren auf trockenes Erdgas umstellte, begann das Erdgas, dem Hanf die Feuchtigkeit zu entziehen. Mit der Zeit schrumpft und reißt er.

Das Ergebnis: kleine Gaslecks an hunderten von Verbindungsstellen, die tief in Wänden und Böden stecken. Die Gasprüfung nach G10 misst den Gasverlust der gesamten Anlage. Wenn dieser Verlust über einem bestimmten Grenzwert liegt, darf die Anlage nicht mehr betrieben werden.

Früher gab es nur eine Lösung: Wände aufbrechen, alle Leitungen tauschen, Wände wieder schließen. Das kostete Zeit, Schmutz und viel Geld.

2. Das Prodoral-Flutverfahren einfach erklärt

Prodoral R6-1 ist eine flüssige Kunststoff-Dispersion, die ÖVGW-zertifiziert ist für die Innensanierung von Gasleitungen. Das Dichtmittel wird unter Druck in die Gasleitungen gepumpt, ohne die Rohre oder Wände zu öffnen.

Was passiert innen: Das flüssige Dichtmittel fließt durch die Rohre und dringt an den Gewinden in die Zwischenräume ein. Dort quillt es auf und polymerisiert (härtet aus) zu einem dauerelastischen Film. Dieser Film füllt die Lücken in den ausgetrockneten Hanffasern und dichtet dauerhaft ab.

Das Dichtmittel ist lösungsmittelfrei, physiologisch unbedenklich und UV-beständig. Es beeinträchtigt die Gasströmung nicht, weil der Film nur an den Verbindungen haftet, nicht an den glatten Innenwänden der geraden Rohrstücke.

3. Was das Verfahren nicht kann

Das Prodoral-Verfahren ist für undichte Gewindeverbindungen geeignet. Es ist keine Universallösung für alle Gasrohrprobleme.

Es funktioniert nicht bei: Rissen im geraden Rohrstück (z.B. durch Korrosion des Stahlrohrs selbst), sehr großen Lecks über dem ÖVGW-Grenzwert für Sanierbarkeit, Leitungen aus Materialien, die grundlegend beschädigt sind.

Vor der Sanierung führen wir eine detaillierte Leckmengenmessung durch. Das Messergebnis zeigt, ob das Leck für das Flutverfahren geeignet ist oder ob eine Neuverrohrung wirtschaftlicher ist.

4. Wie die Sanierung in Ihrer Wohnung abläuft

  1. Morgens: Gasanlage von Wiener Netzen offiziell außer Betrieb nehmen. Anzeige des Eingriffs bei Wiener Netzen.
  2. Entgasung: Gasreste werden mit Stickstoff ausgeblasen. Die Leitungen müssen gasfrei sein, bevor gearbeitet wird.
  3. Reinigung: Stickstoff durchblasen entfernt lose Ablagerungen und Rostpartikel.
  4. Flutung: Prodoral wird vom tiefsten Punkt der Anlage mit einer Membranpumpe eingepresst, bis die Leitungen vollständig gefüllt sind.
  5. Druckhaltezeit: 30 Minuten unter 3 bar Druck. Das Dichtmittel wird in die Gewinde gedrückt und beginnt zu polymerisieren.
  6. Auspumpen: Überschüssiges Material wird abgepumpt. Spezialmolche reinigen die Rohrinnenwände.
  7. Trocknung: Hochleistungsgebläse trocknet die Leitungen. Das Dichtmittel härtet vollständig aus.
  8. Dichtheitsprüfung: Die Anlage wird nach ÖNORM EN 1775 auf Dichtheit geprüft.
  9. Wiederinbetriebnahme: Gas wird wieder aufgedreht. Die Therme läuft wieder.

Der gesamte Ablauf dauert 6 bis 10 Stunden, je nach Größe der Anlage. Das Gas ist in der Regel am selben Tag wieder verfügbar.

Praxis-Tipp von Sebastian Winter: Lassen Sie die G10-Prüfung nicht auf die lange Bank schieben, wenn Sie ein Schreiben von Wiener Netzen bekommen. Eine Anlage mit bekanntem Gasverlust darf nicht weiterbetrieben werden. Wenn Sie rechtzeitig reagieren, haben Sie Zeit für eine sorgfältige Planung der Sanierung. Wer wartet, bis die Anlage gesperrt wird, steht im Winter ohne Heizung da.

5. Kostenvergleich: Flutverfahren gegen Neuverrohrung

VerfahrenDauerBaulicher EingriffKosten (3-Zimmer-Wohnung)
Prodoral-Innensanierung1 TagKein Aufstemmen, kein Schmutz1.800 bis 2.900 Euro
Komplette Neuverrohrung5 bis 8 TageWände aufstemmen, Maler + Fliesen5.500 bis 9.000 Euro

Der Unterschied ist erheblich. Beim Flutverfahren fallen keine Folgekosten für Malerarbeiten, Fliesenreparaturen oder provisorische Unterkünfte an. Die Wohnung ist am Abend wieder vollständig bewohnbar.

Bei einer Neuverrohrung kommen die eigentlichen Installationskosten erst dazu: Malerarbeiten 1.000 bis 3.000 Euro, Fliesen in Küche und Bad reparieren oder neu verlegen 1.000 bis 4.000 Euro. In Summe ist eine Neuverrohrung für eine Altbau-Wohnung meist 8.000 bis 15.000 Euro Gesamtaufwand.

6. ÖVGW-Zulassung und was sie bedeutet

Das Prodoral-Verfahren ist nach ÖVGW-Richtlinie G7 zertifiziert. Das ist die österreichische Zulassung für Gasleitungs-Innensanierungen. Ohne diese Zulassung darf das Verfahren an Hausinstallationen in Österreich nicht eingesetzt werden.

Nach einer erfolgreichen Innensanierung stellen wir eine Bescheinigung aus, die die Dichtheitsprüfung nach ÖNORM EN 1775 dokumentiert. Diese Bescheinigung brauchen Sie gegenüber Wiener Netzen als Nachweis, dass die Anlage wieder in einem ordnungsgemäßen Zustand ist.

Die Haltbarkeit der Innensanierung ist vom Hersteller mit mindestens 10 Jahren angegeben. In der Praxis halten gut ausgeführte Sanierungen deutlich länger.

7. Wann trotzdem eine Neuverrohrung besser ist

Das Flutverfahren hat Grenzen. Wenn die Stahlleitungen selbst stark korrodiert sind, hilft die Innensanierung an den Gewinden nicht weiter. Wenn die Rohre Wandstärken unter 1 mm haben (was bei sehr alten Installationen vorkommen kann), ist eine Neuverrohrung sicherer.

Außerdem: Wenn die Wohnung sowieso vollständig renoviert wird (Badsanierung, Küchenumbau), dann macht es Sinn, die Gelegenheit zu nutzen und die Gasleitungen bei offenen Wänden neu zu verlegen. Das ist dann kaum Mehraufwand.

Mehr zu Gasinstallationsarbeiten im Rahmen von Küchenumbauten lesen Sie im Artikel Was ist bei Gasleitung verlegen beim Küchenumbau erlaubt?

Technische Normen und Richtlinien zur Gasinstallation sind auf der Website der ÖVGW (Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach) verfügbar.

8. Häufige Fragen

Kann ich während der Sanierung in der Wohnung bleiben?
Ja. Die Sanierung findet bei abgesperrtem Gas statt. Es gibt keinen Gasdruck in den Leitungen. Schmutz und Staub entstehen nicht. Die einzige Einschränkung: Kein Gas bedeutet keine Therme, also kein Warmwasser und keine Heizung für den Sanierungstag. Im Sommer ist das kein Problem, im Winter sollte man einen Tag ohne Heizung einplanen.
Brauche ich für die Innensanierung eine Genehmigung?
Die Sanierung muss bei Wiener Netzen angemeldet werden. Der konzessionierte Installateur übernimmt diese Meldung. Eine spezielle Baugenehmigung braucht es nicht, weil keine Wände geöffnet werden. Nach der Sanierung stellt der Installateur eine Dichtheitsbescheinigung aus.
Wie lange hält die Innensanierung?
Der Hersteller Prodoral gibt eine Mindesthaltbarkeit von 10 Jahren an. In der Praxis und nach unserer Erfahrung halten gut ausgeführte Sanierungen 15 bis 20 Jahre. Die nächste reguläre G10-Prüfung nach 12 Jahren ist ein natürlicher Kontrollpunkt.
Ist das Verfahren auch für Häuser mit mehreren Wohnungen geeignet?
Ja. Bei Mehrparteienhäusern wird die Sanierung stockwerk- oder wohnungsweise durchgeführt. Der Hauptstrang bleibt in Betrieb, nur die zu sanierende Wohnung wird abgesperrt. Andere Wohnungen sind nicht betroffen.
Was passiert, wenn das Leck nach der Sanierung noch messbar ist?
Eine ordnungsgemäß durchgeführte Innensanierung sollte den Gasverlust auf unter den ÖVGW-Grenzwert senken. Wenn das nicht der Fall ist, muss der betreffende Abschnitt trotzdem neu verlegt werden. Der Installateur bespricht das im Vorfeld und gibt eine realistische Einschätzung basierend auf der Leckmengen-Vormessung.
Das Verfahren ist nach der strengen österreichischen ÖVGW-Qualitätsmarke uneingeschränkt für Erdgasleitungen zugelassen. Nach Abschluss stellen wir den offiziellen G10-Dichtheitsbefund aus.

Sebastian Winter Gas- und Sanitärtechnikermeister

Über den Autor: Sebastian Winter

Konzessionierter Gas- & Sanitärtechnikermeister • Allkommerz GmbH

Sebastian Winter führt den traditionsreichen Wiener Meisterbetrieb in der Hetzendorfer Straße 77–79a. Mit über 15 Jahren praktischer Baustellenerfahrung im Wiener Alt- und Neubau berät er Kunden fundiert zu Badsanierungen, Heizungsmodernisierungen, Gasprüfungen nach ÖVGW und barrierefreien Förderprojekten der Stadt Wien.

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